PflegeProNatura

Bagger im Auftrag der Schmetterlinge

Um den Schmetterlingen mehr Lebensraum zu verschaffen, sind im Sommer 2004 im Pfäffikersee-Schutzgebiet Bagger aufgefahren.

Im Gebiet „Tüfi“ an der Bahnlinie zwischen Auslikon und Kempten kommen nicht weniger als 33 Schmetterlingsarten vor. Dieser ausserordentlich reiche Bestand scheint auf ideale Bedingungen hinzudeuten, doch der Schein trügt. Denn die Entwicklungstrends sind negativ. So hat die Zahl der Individuen verschiedener Arten deutlich abgenommen bzw. seltene Schmetterlinge sind bereits verschwunden. 9 Schmetterlingsarten sind heute in der Tüfi mit so schwachen Populationen vertreten, dass ihr Überleben nicht gesichert ist.
Seit dem April 2001 bestehen für das Gebiet Aufwertungsvorschläge. Sie zielen in erster Linie darauf ab, die Vielfalt der Schmetterlinge halten zu können und die teilweise sehr kleinen Populationen langfristig zu sichern. Und es ist davon auszugehen, dass Aufwertungen zu Gunsten der Schmetterlinge gleichzeitig auch den Pflanzen und anderen Tiergruppen zugute kommen.

Kauf ermöglicht Verbesserungen
Im Herbst 2002 kaufte Pro Natura Zürich 2 Parzellen in der Tüfi mit dem Ziel, die vorgeschlagenen Aufwertungen umzusetzen. Als erste Massnahme wurde im Winter 2002/03 geholzt. Dadurch konnte sich die blütenreiche Flora ausbreiten, die am Südbord des kleinen Hügels bereits vorhanden war. Das nützte den Schmetterlingen, weil sie die Pflanzen doppelt nutzen. Zuerst fressen sie als Raupen davon – viele Raupen sind auf eine oder einige wenige Pflanzen (häufig Magerwiesen- pflanzen) spezialisiert. Und später saugen sie von den Blüten, wobei sie auch hier durchaus wählerisch sind.

Magerwiese vergrössert
Als zusätzliche Aufwertung wurde diesen Sommer die obere Bodenschicht auf dem Hügel abgetragen. Dadurch soll die Fläche der Magerwiese noch einmal vergrössert werden. Wegen des drohenden Verlustes einiger Schmetterlingsarten wollte Pro Natura Zürich deren Lebensraum rasch vergrössern und nicht so lange warten, bis die Wiese langsam ausmagerte. Damit schnell die gewünschten Pflanzen wachsen, wird auf der abgeschürften Fläche Magerwiesen-Schnittgut ausgebracht. Die im Schnittgut enthaltenen Samen werden dann an Ort keimen.

Wechselvolle Geschichte
Der kleine Hügel in der Tüfi hat eine wechselvolle jüngere Geschichte hinter sich: Bis in die 1920er Jahre war er weitgehend humusfrei, die Nagelfluh lag mehr oder weniger offen da. Dann wurde vom damaligen Eigentümer Humus zugeführt, um einen bescheidenen landwirtschaftlichen Ertrag zu erzielen. So etablierte sich eine blütenreiche Wiese. Ab etwa 1965 wurde die Fläche verpachtet, worauf sie regelmässig gedüngt wurde. Entsprechend veränderte sich die Vegetation.

Für Pro Natura ist es nicht wichtig, an diesem Ort einen landwirtschaftlichen Ertrag zu erzielen. Viel mehr soll die Fläche ganz im Dienste der Natur stehen. Deshalb wurde der ehemals zugeführte Humus abgetragen. Der abgeschürfte Humus wurde in unmittelbarer Umgebung auf einen Acker gegeben und verbessert dort dessen landwirtschaftlichen Wert.


Pro Natura Zürich schafft Lebensraum für Schmetterlinge wie den Schwalbenschwanz.

 Auskunft:
Pro Natura Zürich, Andreas Hasler, Tel. 044 463 07 74, e-mail pronatura-zh at pronatura.ch