Ornith. Beobachtungs-Kalender

ORNITHOLOGISCHER BEOBACHTUNGS-KALENDER VOM PFÄFFIKERSEE / SOMMER 2002

(1. April bis 30. September 2002)

Liebe Freunde des Pfäffikersee-Gebietes

Ein treues Team von FeldornithologInnen unterstützt mich seit vielen Jahren bei den Bestan- desaufnahmen zur Brutzeit und beim Zusammentragen der Beobachtungsdaten.

Allen, die bei dieser grossen Arbeit mitgeholfen und viele Stunden im Felde verbracht haben, spreche ich meinen herzlich Dank aus.

Als Ergebnis resultiert eine recht aussagefähige Mehrjahresstatistik, aus welcher Bestand- esschwankungen und Entwicklungstendenzen abgeleitet werden können. Es ist immer sehr interessant, die Ergebnisse unseres Schutzgebietes mit denjenigen in anderen Gebieten im Kanton Zürich oder landesweit zu vergleichen. Dabei zeigt sich immer wieder, dass Verän- derungen meistens grossräumig erfolgen. Wie jedes Jahr, gilt es von positiven und negativen Ergebnissen zu berichten. Erfreulich, dass wenigstens 1 Paar der Bekassine gebrütet hat. Auch der Bestand der gefährdeten Zwergdommel hält sich bei uns gut. Ein besonderer Brut- erfolg haben die Waldohreulen zu verzeichnen, wo drei Paare insgesamt 9 Junge aufgezogen haben. Stolz dürfen wir auch auf die 4 Kiebitz-Paare sein, die im kleinen Verband Jahr für Jahr erfolgreich brüten. Neu zugezogen ist im Frühjahr 2002 eine Nachtigall, die in einem attraktiven Park am Rande von Pfäffikon erstmals gebrütet hat.

Auf der beachtlichen Liste der Sorgenkinder stehen der Baumpieper, der Kuckuck und die Grau-, Grün- und Kleinspechte. Bei all diesen Arten laufen wir Gefahr, dass sie in den näch- sten Jahren aussterben. Offensichtliche Gründe für diese bedrohlichen Bestandesabnahmen sind keine auszumachen. Warum sich der Bestand des Fitislaubsängers innert Jahresfrist fast halbiert hat und warum der Fasan plötzlich verschwunden ist, bleibt rätselhaft. Obschon einzelne Reiher- und Tafelenten am See den Sommer verbracht haben, ist neuerdings keine erfolgreiche Brut festgestellt worden.

Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass doch gelegentlich die letzten Einsprachen gegen die neue Schutzverordnung erledigt werden können und die dringenden Neuerungen in Kraft treten können.

BESTANDESAUFNAHMEN IM Sommer 2002

Auch im Berichtsjahr wurde wieder eine umfassende Bestandesaufnahme der brütenden Indikatorarten durchgeführt. Nachstehend unsere Beobachtungen und Erfahrungen im Som- mer 2002.

Artenstatistik

Der vorliegende Bericht stützt sich auf 624 Meldungen. Im Sommerhalbjahr 2002 wurden beobachtet:

107 verschiedene Vogelarten, davon:
- 19 Indikatorarten als Brutvögel
- 22 Indikatorarten als Durchzügler und Nahrungsgäste
 

ZUM BRUTGESCHEHEN IM SOMMER 2002

Taucher
Die Zwergtaucher konnten ihren Bestand halten. Die Brutplätze liegen immer etwa an den selben Stellen. Die Bruten dürften diesmal nicht so erfolgreich verlaufen sein, denn nur bei 2 der sieben Paare waren bettelnde Junge zu vernehmen.
Der Bestand an brütenden Haubentauchern hat etwas abgenommen. Meistens konnten wir nur 1 oder 2 Junge feststellen. Im Vergleich zu früheren Jahren sind fast keine Grossfamilien mit 4 Jungen mehr zu beobachten.
Nachdem sich im April bis zu 12 Schwarzhalstaucher in der Herdplattenbucht aufgehalten haben und auch intensiv balzten, hofften wir auf eine Brut. In der Folge konnten wir dann aber leider keinen Brutplatz ausmachen.

Reiher
Die Zwergdommel war im Sommer 2002 mit 3 Paaren vertreten. Wie schon in früheren Jahren zog das Paar, das in der Nähe des Strandbades Pfäffikon brütete, mindestens 2 Junge auf. An den beiden übrigen Brutplätzen blieb es im Juli/August ruhig.

Enten
Zur Brutzeit waren an etlichen Orten einzelne Reiherenten zu beobachten. Bis Mitte Mai hielt sich am Nordufer auch ein Paar auf, das dann aber keine Jungen hochbrachte.
Von der Tafelente verbrachten nur einzelne Männchen den Sommer am See. Es bildeten sich erstmals keine Paare.

Greifvögel
Die Schwarzmilan-Brut im Talhof, einem traditionellen Brutplatz, war wiederum erfolgreich. An den beiden übrigen Brutplätzen könnte die Brut später aufgegeben worden sein.
Rotmilane waren auch in der Berichtsperiode wieder regelmässig auf Nahrungssuche im Riet anzutreten, die nächsten Brutplätze liegen aber ausserhalb des Pfäffikersee-Perimeters.
Die Turmfalken haben den frisch gereinigten Nistkasten im Himerich wieder bezogen, Jung- vögel konnten wir aber nicht beobachten. Der Brutplatz des zweiten Paares liegt an der Ost- seite des Sees, etwa oberhalb des Schutzgebietes. Hier waren Junge zusammen mit ihren Eltern im Riet auf Nahrungssuche.
Baumfalken waren nur im Juni anwesend, weniger als in früheren Jahren.

Hühnervögel
Der Fasanen-Bestand ist innert Jahresfrist vollständig zusammengebrochen. Ab Juni waren nirgends mehr rufende Hähne zu hören. Ob hier die stark vertretenen Füchse am Werk waren?

Rallen
Im Sommer 2002 konnten wir 6 Standorte von Wasserrallen ausmachen. Der Bruterfolg lässt sich jeweils nicht feststellen, da das Brutgeschehen dieser Art ganze heimlich verläuft.
Der Bestand an Teichhühnern schwankt von Jahr zu Jahr wenig. An zwei Orten konnten junge Teichhühner beobachtet werden, doch zeigt sich jeweils erst im darauffolgenden Winter, wie groß der Bruterfolg war.

Regenpfeifer
Während sich Anfang April noch 6 Kiebitz-Paare ansiedelten, blieben dann im Verlaufe der Brutzeit noch 4 Paare übrig. Mindestens 2 davon haben erfolgreich gebrütet. Bei den übrigen war der Einblick ins Brutareal äusserst ungünstig.

Schnepfen
Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass ein Bekassine-Paar am früheren Brutplatz gebrütet hat. Es war ein Erlebnis, wieder mal einen Balzflug zu beobachten.

Möwen
Die kleine Lachmöwen-Kolonie am Chliisee/Bützlisee kann sich erfolgreich halten. Etwa 10 Paare zogen mindestens 18 Jungmöwen auf.

Seeschwalben
Wenn es auch immer noch nicht zu einer Flussseeschwalbenbrut an Pfäffikersee gereicht hat, so hat diese Vogelart doch im Berichtsjahr grosses Interesse an unserem Gewässer bekundet. Zwischen Mitte Juni und Mitte Juli waren sie regelmässig am See zur Futtersuche, Ende Juli und im August waren die Altvögel auch von Jungen begleitet. Die erfolgreichen Bruten am Zürich- und Greifensee lassen auf einem künftigen Brutversuch an unseren Gewässern hoffen.

Kuckuck
Leider waren wiederum nur zwei Kuckuck-Paare anwesend, sodass der markante Ruf recht selten ertönte. Es wäre ein grosser Verlust, wenn dieser dominierende Rufer ganz ausbleiben würde.

Eulen
Im gleichen Nistkasten wie letztes Jahr, hat die Schleiereule wieder gebrütet. Ob Junge aufgekommen sind, konnten wir nicht feststellen.
Ausserordentlich günstige Verhältnisse hat offenbar die Waldohreule vorgefunden. Die drei Paare haben 9 Junge aufgezogen.

Spechte
In letzter Zeit erscheint der Schwarzspecht immer häufiger im Robenhauserriet. Sein Brut- platz dürfte aber in den Waldgebieten gegen das Aathal liegen. Auch der Kleinspecht lässt sich am Südufer des Sees gelegentlich vernehmen, ohne dass sich aber konkrete Hinweise auf eine Bruthöhle ergaben.
Der Ruf von Grau- und Grünspecht kann immer wieder mal vernommen werden, doch meistens ausserhalb der Brutzeit.

Pieper
Der Baumpieper macht sich weiterhin äusserst rar. Eine der beiden diesjährigen Bruten dürfte um Mitte Mai aufgegeben worden sein.

Wasseramseln
Der letztjährige Brutplatz der Wasseramsel am Chämptnerbach war durch den Brückenneu- bau gestört. Wir hoffen, dass sich die Vögel künftig dort wieder ansiedeln werden.

Drosseln
Ganz überraschend hat sich im Frühjahr 2002 am Randes des Wohngebietes von Pfäffikon eine Nachtigall angesiedelt. Sie brütete in einem Park mit vielen alten Bäumen und Büschen, ganz nahe der Bahnlinie.

Grasmücken
Die Brutbestände von Feld- und Rohrschwirl waren tiefer als in den Vorjahren. Die Sumpf- rohrsänger waren dagegen gut vertreten und die Teichrohrsänger haben im Vergleich zum Vorjahr sogar zugelegt. Der Drosselrohrsänger war im April und dann wieder im Juni zu hören. Dabei dürfte es sich aber um ein nicht brütendes Männchen gehandelt haben. Wä- hrend der Brutbestand des Zilpzalp eher etwas zulegen konnte, ist beim Fitis ein dramati- scher Bestandesrückgang zu verzeichnen. Die Abnahme erfolgte im Robenhauserriet, wo in den letzten Jahren stark entbuscht wurde. Ob dadurch die Deckung für diese Bodenbrüter etwas zu stark ausgelichtet wurde?

Schwanzmeisen
Die Schwanzmeisen brüten im Schutzgebiet nie in grosser Zahl. Der Bruterfolg liess sich dieses Jahr nicht überprüfen.

Finken
Die Brutplätze des Girlitz lagen schon immer am Rande des Schutzgebietes. Im Sommer 2002 wurde er jedoch nirgends angetroffen.
Das Brutareal des Distelfink beschränkte sich im Berichtsjahr auf das Strandbad Auslikon und den Chämptnerbach. Einzelvögel streiften jedoch im ganzen Riet umher.

Ammern
Am Rande des Pfäffikersee-Schutzgebietes brüteten auch in diesem Sommer wieder 7 Paare der Goldammer. Ihr Bestand nimmt zu. Die Rohrammer war auch im Sommer 2002 gut ver- treten. Zwei Mitarbeiter des Zoologischen Institutes der Universität Zürich haben dieses Jahr eine Langzeitststudie über die Rohrammer gestartet Dabei wurde auch der Pfäffikersee als Untersuchungsfläche ausgewählt.
 

INTERESSANTE DURCHZÜGLER UND NAHRUNGSGÄSTE
Anfangs September rasteten zwei junge Rothalstaucher am Nordufer des Sees. Die Gesichtsstreifung war noch gut erkennbar. Diese Art brütet vorwiegend im Nordosten Europas.

Einige interessante Reiher waren auf dem Zug Gast im Gebiet. Ein Nachtreiher anfang April, ein Rallenreiher mitte Mai und je ein Silberreiher ende April und anfang September. Drei Purpurreiher waren mitte Mai unterwegs ins Brutgebiet.

Der Frühjahrszug der Weihen war diesmal nicht ergiebig. Ein Steinadler überflog im Mai das Robenhauserriet und ein Fischadler rastete im September auf der Ostseite des Sees. Nach dem grossen Regen gegen Ende September waren viele Rietwiesen überschwemmt. Dies bewog eine grosse Gruppe von Limikolen, in der Nähe des Chliisees Rast zu machen. Für unser Gebiet war es ein einzigartiges Erlebnis, gleichzeitig etwa 40 Alpenstrandläufer, 4 Kiebitzregenpfeifer und je 1 Kampfläufer, Zwergstrandläufer, Sanderling und Bekassine zu beobachten. Diese Begebenheit zeigt einmal mehr wie wichtig es wäre, vermehrt offene Flachwasserzonen zu schaffen.

Der Frühjahrszug der Limikolen blieb im früheren Rahmen. Die Weisskopfmöwe kann jetzt auch im Sommer regelmässig auftreten. Gegen Ende Juli rastete ein diesjähriger Jungvogel im Strandbad Auslikon.

Anfang April überflog ein Wiedehopf das Nordufer des Sees. Ende September suchen 2 Beutelmeisen auf dem Weg ins Winterquartier Nahrung am See. Als seltener Durchzügler konnte Ende April ein Ortolan beobachtet werden. Eine Schwarzkopfruderente ist vermutlich aus einer Voliere entflogen. Das Brautenten-Männchen ist immer noch regelmässig im Strandbad Auslikon anzutreffen. Es begleitet ein Stockenten-Weibchen und hat sich im Sommer auch einer Stockenten-Familie angeschlossen. Es deutete aber nicht auf eine Bastardisierung hin.


STÖRUNGEN IM SCHUTZGEBIET / DIE NEUE SCHUTZVERORDNUNG
Wegen laufenden Einsprachen konnte die neue Schutzverordnung noch immer nicht umgesetzt werden. Ich finde es schade, dass dadurch auch dringend notwendigen Seeschutzzonen nicht markiert werden können.
Der Erholungsbetrieb rund um den See ist bei schönem Wetter ganz enorm. An lauen Abenden, vor allem am Wochenende, bleibt ein hoher Lärmpegel bis tief in die Nacht bestehen. Pferdedung auf sensiblen Rietwegen weist darauf hin, dass das Reitverbot oft missachtet wird, hingegen halten sich die Besucher besser an die markierten Wege als früher.

Ein Problem, das man offenbar auch mit Hinweisen und Verboten nicht lösen kann, ist die Beachtung des Leinenzwangs für Hunde. Es gibt immer wieder unverbesserliche Besucher, die im Riet Apportier-Übungen abhalten. Frei laufende Hunde gefährden vor allem die brütenden Kiebitze im Müliriet, denn der Verbindungsweg zwischen Strandbadstrasse und Chämptnerbach ist ein stark begangener Hunde-Spazierweg.

WEITERE INTERESSANTE BEOBACHTUNGEN
Auch dieses Jahr war am Hechtteich wieder das Konzert der Laubfrösche zu geniessen. Es schien mir, dass diesmal bereits etwa 4-5 Männchen sangen. Es wäre erfreulich, wenn sich dieser kleine Bestand vermehren würde.
Der Giwitzenkanal in Pfäffikon ist immer für eine Überraschung gut. Am 26. Juni erschien mitten am Nachmittag ein Fuchs zwischen den Büschen um zu trinken. Wenig entfernt davon überquerte eine grosse Ringelnatter den Kanal.

PFLEGEMASSNAHMEN IM SCHUTZGEBIET
Die Schnittaktion zur Eliminierung der Goldrutenbestände wurde weiter geführt. Im letzten Winter ist auch weiter entbuscht worden. Durch regelmässige Pflegemassnahmen kann die Entwicklung der Vogelbestände beeinflusst werden. So wirkten sich die stehen gelassenen Altschilfstreifen positiv auf den Bestand der Rohrammern aus. Hingegen lässt die starke Abnahme der brütenden Fitis vermuten, dass im Zentrum des Robenhausserriets die Bodendeckung etwas stark ausgeräumt ist. Bedenklich ist auch der Rückgang des Baumpiepers. Bei beiden Arten singt das Männchen auf einer Baumwarte, während das Weibchen sein Nest gut gedeckt am Boden baut.
Man müsste versuchen, rund um die Einzelbäume eine Krautschicht von etwa 3 Metern stehen zu lassen.
Nach meinem Empfinden arbeiten die pflegenden Landwirte halt manchmal etwas zu ordentlich¨. Was für das Auge eine Wohltat ist, bringt der Vogelwelt nicht immer einen Nutzen. Vor allem grossflächig geschnitte Rietwiesen, ohne jeden Busch, sind ungünstig. Ideal wäre eine gewisse Vernetzung durch kleine Inseln mit Sträuchern und einer umgebenden Krautschicht. Dabei ist mir natürlich bewusst, dass so eine differenzierte Pflege mit mehr Aufwand und höheren Kosten verbunden wäre.

Um die grosse Fläche des Pfäffikersee-Schutzgebietes stets ordentlich instand zu halten ist ein enormer Aufwand erforderlich. Ich danke der Fachstelle Naturschutz und allen Beteiligten für den grossen Einsatz und für die gute Zusammenarbeit.

Wetzikon, 10. November 2002

Walter Hunkeler

Administration/Datenkoordination
Walter Hunkeler, Berglistrasse 27, 8623 Wetzikon
Tel. 01 / 930.32.75 Email: whunk@freesurf.ch

 

Brautente Stockente

Brautenten-Männchen, verpaart mit einem Stockenten-Weibchen