Ornith. Kalender Winter 02/03

ORNITHOLOGISCHER BEOBACHTUNGS-KALENDER

VOM PFÄFFIKERSEE / WINTER 2002/2003

(1. Oktober 2002 bis 31. März 2003)

 

Liebe Freunde des Pfäffikersee-Gebietes

Hier mein Bericht über die Beobachtungen im Winter 2002/2003. Im Gegensatz zum Vorjahr war der See nur für kurze Zeit mit Eis bedeckt. In der Seemitte verblieb aber stets ein schmaler Wasserstreifen offen, worin vor allem die anwesenden Gänsesäger verweilten. Während diesen „Eiszeiten“ erlangen die Zu- und Wegflüsse grosse Bedeutung für die zurückgebliebenen Wasservögel. Viele interessante Beobachtungen ergeben  sich dann stets am Giwitzenkanal in Pfäffikon und am Aabach in Robenhausen.

 

STATISTIK
Der vorliegende Bericht basiert auf 1070 Datensätzen. Im Winterhalbjahr wurden beobachtet:
  99 verschiedene Vogelarten, davon 28 Indikatorarten
Etliche der festgestellten Vogelarten sind in der Roten Liste der gefährdeten und verletzlichen Arten aufgeführt.

ERWÄHNENSWERTE WINTERGÄSTE
Während des ganzen Winters war ein Ohrentaucher an verschiedenen Orten am See anzutreffen. Auch ein Rothalstaucher verweilt etwa einen Monat am Nordufer des Sees.
Als ausserordentliches Ereignis darf der Einflug von 22 Silberreihern am 17. März erwähnt werden. Hermann Forster gelang diese Beobachtung im Gebiet Galzenriet, Rossriet, Wissenriet. Einige Vögel liessen sich auf einer Birkengruppe nieder. Zeitweise gesellten sich noch drei Graureiher, etliche Rabenkrähen und ein Rotmilan zur Gruppe. Die Grösse der Gruppe ist für unser Gebiet einzigartig.
Das längere Zeit anwesende Männchen der Chilepfeifente dürfte irgendwo aus Gefangenschaft entflohen sein.
Ein Paar Rostgänse waren Dauergast am Nord- und Südufer des Sees. Gegen Ende März war eine Art Balzverhalten im Strandbad Auslikon festzustellen. Das Männchen vertrieb sämtliche Reiherenten. Die übrigen Wasservögel blieben unbehelligt.
Im November/Dezember traten zwei mal grössere Gruppen von Pfeifenten auf, die am folgenden Tag aber stets wieder abwanderten. Als seltener Gast darf die Bergente bezeichnet werden, die am 11. Dezember in einer grossen Gruppe von Reiherenten mitschwamm. Auch Samtenten sind am Pfäffikersee selten anzutreffen.
Besonders gefreut hat uns das langdauernde Auftreten von Zwergsäger-Weibchen im letzten Winter. Bis zu 4 dieser schmucken Taucher konnten vorwiegend am Nordufer des Sees und im Giwitzenkanal beobachtet werden.
Erneut war ein Kornweihen-Weibchen regelmäßiger Nahrungsgast im Robenhauserriet und Umgebung anzutreffen. Auch der Wanderfalke trat stärker in Erscheinung als in früheren Jahren.
Die Zwergmöwen sind in letzter Zeit eher selten zu beobachten.
Beutelmeisen wurden sowohl im Herbst auch auf dem Frühjahrszug festgestellt.
Das Brautenten-Männchen ist Dauergast im Strandbad Auslikon und versucht mit grossem Eifer das Stockenten-Weibchen für sich zu gewinnen. Das passendere Stockenten-Männchen wird vertrieben.

TRENDS BEI DEN REGELMÄSSIGEN WINTERGÄSTEN
Der Zwergtaucher war regelmässig und gut vertreten, während bei den Haubentauchern nie mehr als 100 Vögel gleichzeitig anwesend waren. Auch von den Kormoranen waren nur ausnahmsweise 30 Vögel gleichzeitig auf Nahrungssuche.
Stargast dieses Winters war eindeutig die Rohrdommel. Am Nordufer und am Südufer waren 5 – 6 Vögel regelmässig, teilweise aus kurzer Distanz, zu beobachten. Im Giwitzenkanal verweilte eine Rohrdommel während Tagen unter dem gleichen Busch. Zu bewundern waren auch immer wieder ihre guten Kletterkünste, wenn sie sich 1 Meter über Boden an Schilfhalme klammerten.
Schnatter- und Krickenten waren meistens in kleinen Gruppen am See, während die Löffelente als treuester Wintergast bezeichnet werden darf. Diese Art erreicht aber nie mehr die hohen Bestände früherer Jahre. Der Höchstbestand der Tafelente erreichte 70 Ex., derjenige der Reiherente Ende Dezember 360 Vögel. Auch Schellenten waren regelmässig anzutreffen, aber selten mehr als 10 Ex. gleichzeitig. Wieder etwas vermehrt konnten Gänsesäger beobachtet werden. Im letzten Winter wurden zunehmend auch Gänsesäger im Schönauweiher am Aabach festgestellt.
Beobachtungen von Wasserrallen und Teichhühner gelingen im Winter öfters als zur Brutzeit. Beide Arten sind rund um den See gut vertreten. Die Teichhühner haben vor allem am Aabach in Robenhausen stark zugenommen.
Erstmals waren wieder während der ganzen Berichtsperiode Bekassine anzutreffen. Im März rasteten an verschiedenen Orten grössere Gruppen. Dies ist eine gute Ausgangslage für die kommende Brutzeit.
Der Lachmöwenbestand im Winter liegt bei etwa 250 Vögeln. Die Gruppe von 400 Ex. am 22. März war wohl auf dem Zug und zeigte starkes Balzverhalten. Wieder etwas höhere Winterbestände sind bei der Sturmmöwe zu verzeichnen. Sie wechselten ihren Standort oft zwischen Nord- und Südufer. Die beliebtesten Rastplätze liegen vor dem Pfäffiker-Seequai und im Strandbad Auslikon. 1 – 3 Weisskopfmöwen verbrachten den ganzen Winter am See.
Es ist erfreulich, dass uns auch der Eisvogel als Wintergast treu geblieben ist. Gute Beobachtungsmöglichkeiten, auch beim Stosstauchen, ergaben sich vor allem im Giwitzenkanal in Pfäffikon und am Aabach in Robenhausen. 
Der Ruf des Grünspechts kann während des ganzen Winters im Riet vernommen werden. Zu Beginn der Brutzeit wandert diese Art jedoch regelmässig in die Umgebung ab.
Erneut hat ein Raubwürger im Robenhauserriet überwintert. Es war jedoch stets etwas Beobachtungsglück erforderlich, um die Sitzwarte auszumachen.   
Nur einmal gelang die Beobachtung von Bergfinken und auch die Erlenzeisige machten sich rar. Andererseits überwintern immer mehr Rohrammern.
 

GESAMTBILANZ
Die hohe Zahl von Beobachtungsmeldungen spiegelt das mehrheitlich schöne Wetter im letzten Winter. Das Verhalten vieler Wintergäste konnte bei guter Sicht aus nächster Nähe studiert werden. Für uns Ornithologen bringt dies wertvolle Erfahrungen.

ADMINISTRATION/DATENKOORDINATION

Walter Hunkeler, Berglistrasse 27, 8623 Wetzikon

Tel. 01 / 930.32.75 / whunk bei freesurf Schweiz

Wetzikon, 21. April 2003

 

Interessante Wintergäste

 

Rohrdommel, Grösse 70-80 cm
Nimmt bei Gefahr eine Pfahlstellung
ein und ist dann zwischen den
Schilfhalmen kaum mehr zu sehen
5 –6 Vögel waren vom 14. Nov.
bis 19. März am See zu Gast

Raubwürger, Grösse 25 cm
Macht von einer Sitzwarte
aus Jagd auf Mäuse und
kleine Vögel. War zwischen dem
29. Oktober und 25. März vorallem
im Robenhauserriet anzutreffen.

 

 

Rothalstaucher, im Schlichtkleid
Ist etwa gleich groß wie ein Haubentaucher.
Kennzeichen ist die gelbe Schnabelwurzel.
Der Taucher schwamm  zwischen dem
18. Jan. und 18. Feb. im Gebiet Sturm-
laterne/Seerose.

Ohrentaucher, im Schlichtkleid
Dieser kleine Taucher erscheint
sehr selten am See. Er hielt sich
vom 27. Dezember bis zum 18. Feb.
meistens beim Schiffssteg Seegräben
oder vor dem Quai in Pfäffikon auf.

 

 

Zwergsäger, Weibchen
Bis zu 4 dieser kleinen Tauchenten waren
zwischen dem 24. Oktober und 8. März am
Nordufer zu bewundern. Sie schwammen
oft im Giwitzenkanal. Das zugehörige Männchen 
ist weiss und viel seltener anzutreffen.

Löffelente, links Männchen
Diese Art ist anhand der verbreiterten
Schnabelspitze gut zu erkennen. Die
Nahrung wird an der Wasseroberfläche
ausgeseiht. Löffelenten gehören zu
den regelmässigen Wintergästen am
Pfäffikersee.