|
Ornithologen Gruppe Pfäffikersee
ORNITHOLOGISCHER BEOBACHTUNGS-KALENDER
VOM PFÄFFIKERSEE / WINTER 2001 - 2002
(1. Oktober 2001 bis 31. März 2002)
Liebe Freunde des Pfäffikersee-Gebietes
Sie erhalten hier meinen Bericht über die Beobachtungen im Winter 2001/2002. Seit langem war der See im letzten Winter wieder mal grösstenteils so stark gefroren, dass er während etwa 10 Tagen betreten werden konnte. Dennoch blieben kleine Wasserflächen in der Seemitte und gegen die Ausliker-Bucht hin offen, so dass sich die Wintergäste zurückziehen konnten. Auch der Giwitzen-Kanal in Pfäffikon und der Aabach in Robenhausen dienten als Rückzugsgebiete für die Wasservögel. Obschon der Besucherstrom riesig war, harrten doch einige Überwinterer im See aus.
STATISTIK
Der vorliegende Bericht basiert auf 791 Datensätzen. Im Winterhalbjahr wurden beobachtet:
78 verschiedene Vogelarten, davon 28 Indikatorarten
Etliche der festgestellten Vogelarten sind in der Roten Liste der gefährdeten und verletzlichen Arten aufgeführt.
ERWÄHNENSWERTE WINTERGÄSTE
Im Dezember waren mehrmals Stern- und Prachttaucher am See anwesend. Diese grossen Seetaucher sind seltene Gäste auf unserem See.
Während rund 2 Monaten verweilten ein Paar Rostgänse im Strandbad Auslikon. Die Vögel waren wenig scheu und ruhten auf Steinen oder Schwimmbalken. Sie waren aber unberingt, sodass man nicht abschätzen konnte, ob es sich um Gefangenschaftsflüchtlinge handelte.
Im 3. März war im Strandbad Auslikon eine Moorente zu Gast. Diese Entenart ist am Pfäffikersee nur sehr selten zu sehen.
Während des ganzen Winters suchte immer wieder mal ein Weibchen der Kornweihe Futter im Riet.
Zweimal war auch der Wanderfalke zu Gast.
Nicht nur im Schutzgebiet, sondern auch in der näheren Umgebung, waren im letzten Winter Grosse Brachvögel häufig anzutreffen.
Zwei Beutelmeisen konnten gegen Ende März in einer Hecke beobachtet werden, wie sie Weidenkätzchen und Birkenknospen frassen.
Seltene Gäste sind auch Alpenbirkenzeisig und Zippammer, die im November kurz im Riet rasteten.
Das bereits letztes Jahr im Strandbad Auslikon anwesende Brautenten-Männchen ist am gleichen Ort immer noch zusammen mit einem Stockenten-Weibchen anzutreffen.
Als kurioser Gast muss auch die Streifengans bezeichnet werden, die im März über den
See flog. Auch sie dürfte irgendwo aus der Gefangenschaft entflohen sein.
TRENDS BEI DEN REGELMÄSSIGEN WINTERGÄSTEN
Die Seegfrörni bescherte uns aussergewöhnlich hohe Konzentrationen von gewissen Arten auf kleinem Raum. So waren Anfang Januar auf einem eisfreien Abschnitt im Giwitzenkanal gleichzeitig anzutreffen:
17 Zwergtaucher
14 Teichhühner
5 Wasserrallen
Etwa zur gleichen Zeit haben wir im Aabach in Robenhausen beobachtet:
10 Zwergtaucher
3 Teichhühner
3 Wasserrallen
Bei den Teichhühnern waren viel mehr letztjährige Jungvögel da, als wir während der Bestandesaufnahmen im Sommer/Herbst festgestellt hatten. Dies bestärkt meine Vermutung, dass wir sowohl bei Teichhühnern wie Wasserrallen den Brutbestand und den Bruterfolg immer etwas zu tief einschätzen.
Bei vielen regelmässigen Wintergästen waren die Höchstbestände diesmal nicht sehr hoch.
Dies gilt für Haubentaucher, Kormoran, Pfeifente, Schnatterente, Krickente Löffelente, Tafelente, Reiherente und Schellente.
Die beiden Rohrdommeln, eine am Nordufer und eine am Südufer, blieben uns auch während der „Eiszeit“ treu. Sie wichen in den Giwitzenkanal bzw. in den Aabach aus und konnten so oftmals aus kurzer Distanz beobachtet werden.
Gänsesäger und auch ein Zwergsäger-Weibchen harrten an den freien Wasserstellen in der Seemitte aus und liessen sich vom grossen, hektischen Betrieb auf der Eisfläche nicht stören.
Häufiger als in früheren Jahren kreisten Rotmilane über dem Schutzgebiet. Es scheint, dass diese Art ihr Areal immer noch ausdehnt.
Zu den regelmässigen Wintergästen gehörten 1 – 3 Weisskopfmöwen, die mit Vorliebe auf dem Knubbel der Seebelüftung in der Seemitte rasteten. Mit max. 20 Ex. blieb auch im letzten Winter der Bestand der Sturmmöwe gering.
Während der ganzen Berichtsperiode waren 1 – 2 Eisvögel anwesend, vorwiegend im fischreichen Kanal im Nordufer des Sees.
Während der Ruf des Grünspechts fast täglich erschallte, waren nur Einzelbeobachtungen des Grauspechts zu verzeichnen. Diese Spechtart bekundet grosse Mühe. Auch der Kleinspecht machte sich rar.
Wir Ornithologen freuen uns immer wieder, wenn ein Raubwürger im Gebiet überwintert. Der diesjährige Gast verhielt sich recht heimlich und war schwierig zu entdecken.
Nur zweimal war eine grössere Gruppe von Erlenzeisigen auf Nahrungssuche.
GESAMTBILANZ
Als Höhepunkt aus ornithologischer Sicht dürfen die erwähnten Beobachtungen während der Seegfrörni bezeichnet werden. Sonst war die „Ausbeute“ für unser Gebiet eher mittelmässig.
Brautenten-Männchen, verpaart mit einem Stockenten-Weibchen
|