OKalender2001

Ornithologen Gruppe Pfäffikersee

Ornithologischer Beobachtungs-Kalender
vom Pfäffikersee / Sommer 2001

April bis 30. September 2001)
 

Wetzikon, 20. Oktober 2001

Liebe Freunde des Pfäffikersee-Gebietes

Sie erhalten hier den Ornithologischen Beobachtungs-Kalender für den Sommer 2001.

Die Gesamtbilanz zeigt ein eher durchschnittliches Jahr, ohne besondere Höhepunkte. Gewisse Arten bekunden offensichtlich Mühe, ihren Brutbestand zu halten. Einen verminderten Bestand stellten wir vor allem beim Zwergtaucher und beim Kuckuck fest. Andere Arten, wie Baumpieper und Schwarzmilane haben ohne ersichtlichen Grund ihre Brutstandorte frühzeitig verlassen. Auch bei den spezifischen Enten konnten wir keine erfolgreichen Bruten feststellen, ebenso zählen die Spechte zu den Abwesenden.

Erfreulich ist dagegen das gute Brutergebnis für den Kiebitz. Mit 5 Paaren weist das Pfäffikersee-Gebiet einen beachtlichen Bestand auf. Und auch die Schwirle waren dieses Jahr gut vertreten. Sie haben uns öfters genarrt und verunsichert, weil auf kleinstem Raum beide Arten nebeneinander brüteten und das eine Mal der Feldschwirl, das nächste Mal der Rohrschwirl sang.

Ich hoffe nun zuversichtlich, dass der Regierungsrat die neue Schutzverordnung bald in Kraft setzt. Beruhigte Seezonen lassen auf Bruten von selteneren Enten und Tauchern hoffen.

All meinen treuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern danke ich recht herzlich für die grosse, zuverlässige Arbeit und für die gute Zusammenarbeit. Eine so grosse Fläche kann nur in Teamarbeit zuverlässig und mit der erforderlichen Konstanz bearbeitet werden.

       Mit freundlichen Grüssen
       Walter Hunkeler

Auch im Berichtsjahr wurde wieder eine umfassende Bestandesaufnahme der brütenden Indikatorarten durchgeführt. Nachstehend unsere Beobachtungen und Erfahrungen im Sommer 2001:

 

Artenstatistik

Der vorliegende Bericht stützt sich auf 773 Meldungen. Im Sommerhalbjahr 2001 wurden beobachtet:

  • 109 verschiedene Vogelarten
    • davon:
    • 22 Indikatorarten als Brutvögel
    • 21 Indikatorarten als Durchzügler und Nahrungsgäste

Zum Brutgeschehen im Sommer 2001

Taucher
Im Berichtsjahr war der Zwergtaucher nur noch mit 6 Brutpaaren vertreten. Im Vergleich mit den Höchstbeständen von 16/17 Paaren ist dies eine bedrohliche und unerklärliche Abnahme. Bei der Hälfte dieses Restbestandes konnten Junge beobachtet werden.

Dagegen ist die Anzahl brütender Haubentaucher wieder etwas angestiegen und fast alle Paare haben erfolgreich gebrütet. Was aber auffällt ist die abnehmende Zahl von Jungvögeln pro Paar. In der Mehrzahl war nur 1 Juv. zu beobachten, manchmal 2 und nur 1 mal waren 3 Juv. festzustellen. Schon das zweite Jahr in Folge ist mir aufgefallen, dass um den 20. Juni bereits eine grosse Gruppe von Haubentauchern auf dem See gemeinsam fischte. Zu diesem Zeitpunkt war in früheren Jahren das Brutgeschäft noch voll im Gang.

Um Mitte April schwamm ein Paar des Schwarzhalstauchers am Südufer des Sees. Es zog leider weiter.

Reiher
Obschon zwei Zwergdommel-Paare den Sommer am See verbrachten, waren sie sehr selten zu sehen. Unserem „schwimmenden Beobachter“ ist es zu verdanken, dass die erfolgreiche Brut in der Nähe des Strandbades Pfäffikon entdeckt wurde.

Enten
Bis Mitte April waren sehr viele Krickenten auf überfluteten Wiesen anzutreffen, oftmals auch verpaart. Es kam aber keine Brut zustande.

Auch bei der Knäkente blickten wir sehr hoffnungsvoll auf stark balzende Vögel im Hechtteich. Der gewählte Ort war aber zu stark gestört durch Spaziergänger, teilweise mit Hunden. Aber auch ein aggressives Blässhuhn vertrieb die balzenden Männchen, sodass die Vögel schliesslich weiterzogen.

Noch ein einziges Tafelenten-Paar war am See anwesend, doch bot die Nähe zum Strandbad Auslikon keine günstigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Brut.

Die Reiherenten waren im Berichtsjahr mit 2 Paaren auch nur schwach vertreten, Junge konnten keine beobachtet werden.

Greifvögel
Der Schwarzmilan breitet sich weiter aus. In diesem Sommer waren bereits 4 Paare im Schutzgebiet anwesend. Am früheren Brutplatz im Talhof kamen 2 Jungvögel auf. Die übrigen Bruten wurden später aufgegeben oder waren nicht erfolgreich.

Im Juni konnte auf der Westseite des Sees öfters ein Rotmilan auf einer Birke sitzend beobachtet werden. Auch im weiteren Verlauf der Brutzeit waren Rotmilane regelmässig über dem Riet zu sehen. Hier könnte sich gelegentlich eine Brut ergeben.

Der Turmfalken-Nistkasten im Himmerich war auch dieses Jahr wieder besetzt. Im September konnte ein Jungvogel gesichtet werden.

Während der ganzen Brutzeit tauchten immer wieder Baumfalken auf Nahrungssuche auf. Ein Brutplatz muss daher ganz in der Nähe liegen.

Hühnervögel
Der Bestand an Fasanen-Männchen blieb mit 10 rufenden Hähnen konstant. Auch diesmal konnten weder Weibchen noch Junge beobachtet werden.

Rallen
Zum stark verminderten Bestand an Wasserrallen muss erwähnt werden, dass während den Bestandesaufnahmen kaum je Laute zu hören sind. Die Standorte ergeben sich aufgrund von zusätzlichen Beobachtungsgängen, vor allem am Abend. Den Bestand an Wasserrallen wird man tendenziell eher zu gering einschätzen.

Auch die Teichhhühner verhalten sich während der Brut sehr ruhig. Die Anzahl Juv. kann man meistens erst im Oktober zuverlässig beurteilen.

Regenpfeifer

Der Kiebitz-Bestand hat sich mit 5 Paare gut gehalten. Alle Paare haben wieder in einem eng begrenzten Gebiet im Mülibach gebrütet. Erfreulich ist festzustellen, dass offenbar alle Bruten erfolgreich waren. Die Übersicht über den Bruterfolg war deshalb schwierig, weil alle Neststandorte im hohen Gras uneinsichtig waren. Die Altvögel begleiteten ihre Jungen dann aber in die angrenzenden Maisäcker. Dort waren aber alle Familien nahe beisammen, sodass nicht immer ganz klar war, wer zu wem gehört. Am ehesten erlaubte die unterschiedliche Grösse eine Zuordnung.

Schnepfen

Eine Bekassine war Ende April und Mitte Mai am früheren Brutplatz im Fluge beobachtet worden. Es war aber kein Balzverhalten auszumachen, sodass es offensichtlich zu keiner Brut gekommen ist.

Möwen

Da das Brutfloss im Chliisee noch nicht vom Schilf befreit werden konnte, waren die Lachmöwen wiederum nur am Bützlisee am Brüten. Die etwa 10 Brutpaare dürften um die 20 Jungmöwen aufgezogen haben. Später waren diese Jungvögel im Strandbad Auslikon und auch vor dem Quai in Pfäffikon anzutreffen.

Seeschwalben

Regelmässig zur Brutzeit sind am See auch Flussseeschwalben zu sehen, meistens zu zweit. Sofern an geeigneter Stelle ein weiteres Brutfloss verankert werden könnte, dürfen wir auf eine Brut hoffen.

Kuckuck

Eine Mitarbeiterin überschrieb ihre Artenkarte mit dem Hinweis „der letzte Kuckuck vom Pfäffikersee“. Die Abnahme auf nur noch zwei Paare ist bedrohlich. Ganz generell war der Ruf im Sommer 2001 nur selten zu hören und ein lachendes Weibchen ist mir während der ganzen Brutzeit nie begegnet.

Eulen

Die Waldohreule blieb diesmal ganz aus.

Erfreulich dagegen die erfolgreiche Brut einer Schleiereule, allerdings etwas ausserhalb des Schutzgebietes in einem Nistkasten bei der Scheune Wolfensberger in Pfäffikon.

Spechte

Spechten-Bruten (mit Ausnahme des Buntspechtes) haben im Berichtsjahr leider keine stattgefunden. Grün- und Grauspecht sind selten beobachtet worden. Der Grünspecht dürfte auf der Westseite des Sees in der näheren Umgebung brüten. Interessant war festzustellen, dass in letzter Zeit der Schwarzspecht vermehrt im Riet auftaucht.

Pieper

Wir rätseln, warum die Mehrzahl der Baumpieper-Paare die Brut in Juni aufgegeben hat. Vom Wetter her gesehen, waren keine ungünstigen Bedingungen zu verzeichnen.

Wasseramseln

Erneut hat die Wasseramsel unter einer defekten Brücke im Chämptnerbach gebrütet. Eventuell haben zwei Bruten stattgefunden.

Drosseln

Schwarzkehlchen wurden im Mai/Juni nur vereinzelt festgestellt. Zu einer Brut kam es diesmal nicht.

Grasmücken

Die erfreuliche Bilanz ergab 7 Brutplätze des Feldschwirls und 4 Standorte des Rohrschwirls. Wie schon in den Vorjahren stammen alle Feststellungen von der Südseite des Schutzgebietes.

Der Sumpfrohrsänger war in diesem Sommer etwas schwächer vertreten als im Vorjahr, der Teichrohrsänger konnte den Vorjahresbestand halten. Im Vergleich zu früheren Jahren fehlte oft der intensive Gesang der Rohrsänger. Selbst bei schönem Wetter im Juni musste man sich vielfach mit einem angedeuteten Gesang zufrieden geben.

Ein Paar des Drosselrohrsängers hatte wieder den gleichen Brutplatz beim Aa-Ausfluss besetzt.

Fitis und Zilpzalp waren etwa gleich stark vertreten wie im Vorjahr. Im Vergleich zu früheren Jahren ist jedoch der Zilpzalp-Bestand stark zurückgegangen. Dies könnte damit zusammenhängen, dass in den letzten 2 – 3 Jahren stark entbuscht wurde.

Schwanzmeisen

Der Girlitz machte sich in diesem Sommer rar. Ein singendes Männchen war regelmässig am See in Pfäffikon zu vernehmen.

Der Brutbestand an Distelfinken ist immer etwas schwierig zu erfassen. Sie singen manchmal an verschiedenen Orten, aber nicht über längere Zeit. Drei sichere Standorte wurden vermerkt.

Ammern

Die Goldammern wählen ihre Brutstandorte meistens am Rand unseres Schutzgebietes. 7 Brutpaare entsprechen etwa dem Durchschnitt der letzten Jahre.

Der Bestand an Rohrammern schwankt immer etwas. Für diese früh zurückkehrende Art ist wichtig, dass genügend Altschilfstreifen zur Verfügung stehen. Bemerkenswert ist eine Spätbrut am Chliisee, wo ein Weibchen am 26. September noch Grossinsekten verfüttert hat.

Interessanten Durchzügler und Nahrungsgäste

Gegen Ende Mai sass ein ad. Nachtreiher im Aabach auf einem Ast und hielt nach Beute Ausschau. Silberreiher haben im April im Riet Rast gemacht.

Am 17./18. September waren viele Zugvögel unterwegs. So konnten im Überflug Schwarzstörche, Rohr- und Wiesenweihen, Wespenbussarde, Fischadler und Ringeltauben beobachtet werden. Verschiedene Limikolenarten und erstmals eine Raubseeschwalbe suchten Nahrung am See.

Anfang September tauchte eine Brandgans am See auf ist seither regelmässig am Südufer des Sees zu beobachten.

Zu den regelmässigen Nahrungsgästen gehört die Weisskopfmöwe. Während der ganzen Berichtsperiode konnten regelmässig 1 – 2 Ex. festgestellt werden, im April sogar eine starke Balz.

Ein eher seltener Besucher im Riet ist der Waldkauz, der im April im Ötschbüel gesehen wurde.

Ein erfreulich grosser Einflug von etwa 40 Schafstelzen suchte am 17. September Nahrung auf einem Acker in der Nähe des Kastells.

Von den Seidenschwänzen konnte bereits das letzte Mal berichtet werden. Am 3. April waren noch 22 Ex. an der Strandbadstrasse anwesend, am 14. April immer noch 8 Vögel. Ein einzigartiges Erlebnis.

Ende April war an zwei verschiedenen Orten je eine Nachtigall zu hören.

Anfang April konnte am Querweg eine Ringdrossel auf Futtersuche beobachtet werdend.

Ein Schilfrohrsänger auf dem Herbstzug verhielt sich während der Nahrungssuche recht unauffällig.

Im April begegneten wir mehrmals Beutelmeisen, die im Riet ihren Fettvorrat für den Weiterflug ergänzten.

Auf dem Zug machte auch ein Ortolan bei uns Rast.

Seit April erscheint immer wieder ein Brautenten-Männchen im Strandbad Auslikon. Es dürfte sich um einen Gefangenschaftsflüchtling handeln. Der Erpel versucht mit den Stockentenweibchen Freundschaft zu schliessen.

Weitere Interessante Beobachtungen

Am Querweg konnte ich einen Hahnenkampf zwischen einer Amsel und einer Wacholderdrossel beobachten. Die beiden Kampfhähne sprangen mit der Brust gegeneinander um offensichtlich ihr Revier zu verteidigen. Das gleiche Verhalten ist mir auf dem Gebiet des Hochwasserrückhaltebeckens zwischen Wetzikon und Hinwil zwischen zwei Männchen des Flussregenpfeifers aufgefallen. Bisher hatte ich ein solches Verhalten nur bei Fasanen erlebt.

Zwei mal ist mir auf Wegen im Riet ein Hermelin begegnet. Beiden sprangen während längerer Zeit von einer Strassenseite auf die andere, ohne Scheu zu zeigen. Das eine sprang sogar etwa einen halben Meter in die Luft und schlug einen Purzelbaum.

Sehr erfreut war ich über die Rückkehr der Laubfrösche, die im Juni am Hechtteich ihre Stimme erschallen liessen.

Störungen im Schutzgebiet / die neue Schutzverordnung

Unser schönes Schutzgebiet hat auch einem Landstreicher gefallen, der sich längere Zeit an verschiedenen Stellen aufhielt. Besonders angetan war er vom Picknick-Platz im Himerich, wo er einige Tage nächtigte. Leider hat er auch Jungbäume ausgerissen, die er offenbar an anderer Stelle setzten wollte.

Ich finde es ausserordentlich bedauerlich, dass der Regierungsrat die Einsprachen gegen die neue Schutzverordnung immer noch nicht behandelt hat. Es wäre jetzt wirklich dringend, dass die vorgesehenen Seeschutzzonen markiert und auch die übrigen geplanten Massnahmen in die Wege geleitet werden könnten.

Pflegemassnahmen im Schutzgebiet

Auch im Winter 2000/2001 haben Landwirte und die Fachstelle Naturschutz grossräumige Pflegearbeiten durchgeführt. Auch die Entbuschungsarbeiten wurden weitergeführt, wobei nach meinem Empfinden da und dort etwas zu radikal abgeräumt wurde. Auch in freien Rietflächen sind einzelne Büsche und Bäume von grosser Bedeutung als Singwarten und als Ansitz für Insektenfresser. Wie schon früher erwähnt ist es auch sehr wichtig, dass Altschilfstreifen stehen bleiben. Vor allem die Rohrammer, die bereits im März aus dem Überwinterungsgebiet zurückkehrt, ist auf diese Deckung dringend angewiesen. Durch frühzeitiges Schneiden der Goldrute im Sommer hofft man auf eine Verminderung dieser standortfremden Pflanze.

Die regelmässigen Pflegearbeiten wirken sich sehr positiv auf das Brutgeschehen und die Artenvielfalt in unserem Schutzgebiet aus. Ich danke der Fachstelle Naturschutz und allen Beteiligten für ihren grossen und zweckmässigen Einsatz.