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Von Dr. Peter Perret Jahresbericht 2006 des Präsidenten
Bei einem Rückblick auf ein vergangenes Jahr, stellt man unwillkürlich Vergleiche mit dem Vorjahr an. Dieses Mal fällt der klimatische Unterschied prominent auf. Der Sommer 2006 war wiederum wärmer als sein Vorgänger und der Winter 2006 / 2007 fand nur kurz, um den Zeitpunkt des astronomischen Frühlingsanfangs statt. Die statistisch erwiesene Erwärmung unseres Klimas in den letzten zehn Jahren beunruhigt. Niemand kann abschätzen, ob die Veränderung mit Erwärmung sich fortsetzt und welche Auswirkungen dies haben wird. Erste Auswirkungen konnten diesen Winter schon an unserem See festgestellt werden. Die sonst üblich auf dem Pfäffikersee überwinternden Wasservögel fehlten oder waren nur in geringer Anzahl vorhanden. Verliert unsere See nun seine Bedeutung als Überwinterungsgebiet? Verschiebt sich die südliche Grenze des Überwinterungs- oder Brutgebietes von uns vertrauten Vögeln nach Norden? Verliert unser Schutzgebiet seine überregionale Bedeutung? Fragen, die selbstverständlich noch nicht beantwortet werden können. Sie beschäftigen uns aber und sind Teil unserer Sorge und Beunruhigung. Trotzdem, die feststellbare Entwicklung zwingt uns, grundsätzliche Fragen zu stellen und zu diskutieren. Welche Bedeutung haben Naturschutzkonzepte in einer sich natürlich wandelnden Umwelt? Geht es bei unseren Naturschutzkonzepten in erster Linie um die Erhaltung einer uns gefälligen Natur, auch wenn dabei rigorose Eingriffe nötig sind? Wie weit laufen wir dabei Gefahr, uns von der Natur zu entfernen? Warum sind wir nicht zufrieden, wenn die Natur ihren, aus den ökologischen Randbedingungen resultierenden eigenen Weg geht? Warum sind wir nur mit Beobachten zu wenig zufrieden? Fragen dieser Art dürfen gestellt werden, beantwortet werden können sie nicht, aber man soll sich darüber Gedanken machen.
Wir hofften, im vergangenen Jahr entscheidende Schritte in unserem Vorhaben einer Beobachtungseinrichtung bei der Messikommer-Eiche vorwärts zu kommen. Der Bau einer vandalensicheren und unterhaltsarmen Metallkonstruktion im moorigen Boden erfordert aufwändige und somit teure Fundationsarbeiten. Ein erster Entwurf überstieg die finanziellen Möglichkeiten unserer Vereinigung. Die Abklärung, ob ein reduziertes Projekt noch zweckmässig und sinnvoll ist, ist noch im Gang. Ein Scheitern des Projektes wäre zu bedauern, weil die Beobachtungseinrichtung genau die Gelegenheit geboten hätte, aus überhöhter Warte die in Gang gekommenen Veränderungen zu beobachten.
Grosse Veränderungen sind auch im Siedlungsraum am Pfäffikersee zu beobachten. In Robenhausen entsteht eine Wohnsiedlung, die einen Einfluss auf das angrenzende Schutzgebiet haben wird. In Pfäffikon wurde eine am Seequai liegende Fabrikliegenschaft zurückgebaut. Dank der Initiative engagierter Bürger und auch Mitgliedern aus unserer Vereinigung bleibt ein Teil des Areals unbebaut und wird mit einer Ruderalfläche versehen. In die Gestaltung dieses Freiraumes wird der revitalisierte Dorfbach miteinbezogen. Die Ruderalfläche (vom lateinischen Wort rudus, Genitiv ruderis Schutt eingestürzter Gebäude) wird der Ausgangspunkt einer Besiedelung mit Pflanzen und Tieren sein. Es wird interessant sein, die Entwicklung zu verfolgen. Dabei wird sich bald die Gewissensfrage stellen, wie weit dann eingegriffen werden soll, wenn die natürliche Entwicklung nicht den gewünschten «schönen» Verlauf nehmen wird.
Die Baudirektion des Kantons Zürich lud die Vereinigung Pro Pfäffikersee ein, zum Massnahmenplan Wasser im Einzugsgebiet des Greifensees Stellung zu beziehen. Das Areal des Pfäffikersees, als Oberlauf des Greifensees ist dabei betroffen. Der Massnahmenplan Wasser ist ein umfassendes Dokument und basiert auf aktuellen und massgebenden Fakten. Er bildet eine gute Grundlage zur Ausarbeitung von konkreten Projekten. Wir wiesen darauf hin, dass mit der Ausdohlung und Revitalisierung des Pfäffiker Dorfbaches ein Interessenkonflikt zwischen Wassernutzung und Gewässerschutz entsteht. Im weiteren begrüssten wir die vorgesehen Verlegung des Wander- und Hundeweges auf die rechte Seite des Chämptnerbaches unterhalb der Eisenbahnbrücke bei Kempten. Sie bietet eine der wenigen realisierbaren Möglichkeiten, den Freizeitdruck auf die Riedwiesen zu reduzieren, ohne die Qualität des Wanderweges zu schmälern. Ein wichtiger Punkt, zu dem wir uns äusserten, betrifft eine notwendige Erfolgskontrolle des Seespiegelregulierungsreglementes und – ganz wichtig – der Sperrzonen innerhalb der Schutzverordnung 1999. Ohne nachweisbaren Erfolg fehlt einschränkenden Massnahmen die Berechtigung und stossen diese auf Unverständnis.
Bevor ich mich bei allen Kolleginnen und Kollegen im Vorstand für deren spürbare und motivierende Unterstützung bedanke, möchte ich den jahrelangen Einsatz unseres Mitgliedes Cesare Ceretti als Aufräumer und Nachlieferer der Feuerstelle und Leerer der Abfallkübel ganz herzlich verdanken. Cesare hat ein Alter erreicht, in dem er mit gutem Recht diese Arbeiten einstellen darf. Wir glauben kaum, dass wir einen Nachfolger finden werden.
Den Mitgliedern der Vereinigung Pro Pfäffikersee danke ich für ihre Treue wünsche eine uneingeschränkte Liebe und Freude an unserem schönen Pfäffikerseegebiet.
Peter Perret, Präsident
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