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Pro Pfäffikersee lässt die Muscheln im Pfäffikersee untersuchen
Am Anfang war der Hinweis eines interessierten Mitgliedes Vor zwei Jahren kam auf Anregung von Herrn Senn, einem Mitglied des Segelclubs, eine Unter- suchung über die Muscheln im Pfäffikersee in Gang. Er brachte seine Beobachtungen an der Generalversammlung vor. In der Flachwasserzone gibt’s mehr Schlamm als früher und dort liegen viele tote Muscheln. Sind die Muscheln durch den Schlamm bedroht? Dr. Peter Pleisch nahm sich der Sache an und vermittelte zwei Studenten, welche das Seeufer nach Muscheln absuchten. Erste Untersuchungsergebnisse Guggisberg und Burkhardt unterschieden zwischen toten und lebenden Muscheln. Verschlammung und Häufigkeit der lebenden Muscheln korrelieren schlecht. Ihre Karten lieferten Hinweise über die Uferstruktur, Schlammdicke und das Vorkommen verschiedener „Algen“-typen, Seerosen- und Binsenbestände rund um den See. Das Nordufer ist trotz seiner grossen Seerosenbeständen deutlich weniger verschlammt als das Südufer. Am flachen Ostufer ist der Schilfrückgang sehr gut sichtbar. Der einzige grössere Binsenbestand befindet sich in der Auslikerbucht. Keine Angaben konnten leider über die Muschelarten gemacht werden. Wenn es aber beim Bächlispitz heisst, es trete massenhaft eine «weitere Art von Muscheln» auf, welche kleiner sei und «stark auf dem jeweiligen Untergrund haftet», muss man annehmen, dass dies Wandermuscheln (Dreissena polymorpha) sind. Eine statistische Analyse (Clusteranalyse) zeigte, dass nur dort tote Muscheln zu finden sind, wo auch lebendige vorkommen – was darauf hindeutet, dass die aktuelle Gefahr nicht allzugross sein kann..
Eine zweite, wissenschaftliche Untersuchung
Mit dem Fisch- und Gewässerökologen Dr. H.Vicentini konnte nun ein ausgewiesener Fachmann für Untersuchung im See gewonnen werden. Vicentini und sein Begleiter waren mehrmals mit dem Motorboot auf dem Pfäffikersee unterwegs und tauchten ins tiefere Wasser. Seine Ergebnisse zeigen leider ein ernüchterndes Bild über den aktuellen Muschelbestand im Pfäffikersee. Nebst der Wandermuschel gelang ihm nur gerade der Nachweis von zwei weiteren lebenden Arten, den Erbsenmuscheln und der Teichmuschel (Anodonta cygnea, auch Schwanen- muschel genannt) als einziger Grossmuschel im See. Von der einst häufigen Bachmuschel (Unio crassus), welche auf saubere Gewässer angewiesen ist, wurde nur noch ein leeres Schalenpaar gefunden. Guggisberg und Burkhardt dürften bei ihren Beobachtungen auf dem Seegrund fast ausschliesslich Teichmuscheln festgestellt haben. Wenn die Forschungen Vicentinis im Herbst 1999 abgeschlossen sind, wissen wir mehr über das Leben einer Tiergruppe. Andreas Scheidegger
(mit Ergänzungen von Heinrich Bührer) Weitere Ergänzungen: Schilfsterbeforscher der Schweiz haben die Binsen längst abgeschrieben. Andere versuchen die letzten 10 Halme im Zürichsee zu retten. Die Stadt Konstanz betreibt für sie einen Pflanzblätz. Der Inkwilersee verschlammt hauptsächlich innerhalb der Seerosenfelder. Umschlagbild: Ein Muschelforscher taucht auf, der Verfasser des Muschelberichtes, Herr Dr. H. Vicentini. Foto: Titelbild A. Scheidegger; Bilder und Text zu Muscheln Dr. H. Vicentini
Jahresbericht 1998 des Präsidenten
Die Verknüpfung von Schutz des Pfäffikerseegebietes mit massvoller Nutzung des Sees und seines wunderschönen und einzigartigen Umlandes war die Motivation für die Gründung unserer Vereinigung und blieb bis heute ihr einziger Zweck. Mit dem Entwurf einer neuen Schutzverordnung hat die Baudirektion, beziehungsweise ab Januar 1998 die Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zürich, neue und engere Grenzpfähle für den Schutz des Pfäffikerseegebietes gesetzt. Die befürwortende Vernehmlassungsantwort des Vorstandes der Vereinigung Pro Pfäffikersee wurde von der Mitgliederversammlung zurückgewiesen und die Pro Pfäffikersee konnte sich zu einem zentralen Gebiet ihres statutarischen Zwecks nicht äussern. Die bis anhin durch Gespräch und mit Kompromiss häufig erfolgreich erreichte Verknüpfung von Schützen und Nutzen gelang diesmal nicht. Dies führte auf der einen Seite zu Siegesstimmung und auf der anderen Seite zu Ernüchterung, Resignation und zum Rücktritt des Präsidenten Christoph Schellenberg auf die ordentliche Mitgliederversammlung 1998. Anstelle von Kompromiss- und Dialogbereitschaft herrschte gegenseitiges Misstrauen. Dies war an der Mitgliederversammlung auch beim Antrag des Vorstandes über die Statutenrevision festzustellen. Nur knapp verfehlte ein Antrag aus der Versammlung die erforderliche Mehrheit, der verlangte, dass nicht mehr der Vorstand, sondern die Mitgliederversammlung den Vorstandsausschuss wähle. Die Befürworter argumentierten, dass der Vorstand einseitig die Interessen der Naturschützer favorisiere. Die Idee der Vereinigung Pro Pfäffikersee, alle Bestrebungen zum Schutze und Nutzen zusammenzuführen, muss sich im stürmischen Gegenwind behaupten. Es besteht die Gefahr des Schiffbruchs, Was unternimmt der Kapitän in einer so bedrohlichen Lage? Der neue Präsident sucht den Weg abermals über eine Revision der Statuten. Die Revision ,99 hat zum Ziel, die Mitgliedschaft von Einzel- und Kollektivmitgliedern und deren demokratischen Rechte zu klären, die Wahl des Vorstandsausschusses abermals festzulegen und vor allem dessen Kompetenzen klar zu umschreiben. Als Letztes soll die Auflösung der Vereinigung in demokratisch abgesicherten Stufen ermöglicht werden. Für den neuen Präsidenten ist dies klar ein (letzter) Versuch, die Vereinigung wieder funktionsfähig zu machen. Sollte dies nicht erreicht werden, dann muss sich die Vereinigung ihre Sinnfrage stellen. In klar abgestuften Schritten und jeweiliger Vernehmlassung bei den Vorstandsmitgliedern hat der Vorstand die neuen Statuten erarbeitet und legt sie nun der Generalversammlung 1999 vor. Nach den Statuten ,99 heisst die Mitgliederversammlung jetzt eben Generalversammlung. Der Biologe Heinrich Vicentini führte im vergangenen Jahr eine Bestandesaufnahme der Muscheln im Pfäffikersee durch. Er präsentiert seine interessanten und überraschenden Befunde im diesjährigen Tätigkeitsbericht. Sie setzen die Tradition der Tätigkeitsberichte fort, wissenschaftlich erarbeitete Informationen in verständlicher Form weiterzugeben. Ich danke dem Vorstand für die konstruktive Arbeit und das demokratische Verständnis, dem neuen Leiter des Aufsichts- und Informationsdienstes, Herrn Remo Zanelli, für das frische Anpacken dieser schwierigen Aufgabe, der Fachstelle Naturschutz der Volkswirtschaftsdirektion für die vielseitige Unterstützung und die tagtägliche Arbeit im Schutzgebiet und den vielen Mitgliedern für ihr Einstehen zu den Zielen der Vereinigung. Dem Pfäffikersee und seiner Landschaft wünsche ich, dass die Schutzverordnung auch noch die letzten Hürden überwindet und in absehbarer Zeit in Kraft gesetzt wird. Peter Perret
Protokoll der Generalversammlung vom 18. Juni 1998
Anwesend:56 Personen Begrüssung durch den Präsidenten. Verschiedene mündliche und schriftliche Entschuldigungen. Von der Presse sind Vertreter vom «Zürcher Oberländer» sowie des «Landboten» anwesend. Die Protokolle der ordentlichen sowie der ausserordentlichen Mitgliederversammlung werden einstimmig abgenommen. Ebenso einstimmige Abnahmen des Jahresberichtes des Präsidenten, des Berichtes der Arbeitsgruppe «Gewässerschutz» sowie der Jahresrechnung. Zu den revidierten Statuten hat W. Wüst fristgerecht den Antrag gestellt, der Vorstandsausschuss sei zu erweitern und durch die Mitgliederversammlung zu wählen. Ohne vorherige Ankündigung präsentierte P. Frei im Namen des Segelklubs am Pfäffikersee Verbesserungsvorschläge zur Führungsstruktur der PPS. Heftige Diskussion der Befürworter sowie der Gegner. Frau E. Walt, Gemeinderätin Pfäffikon, wies darauf hin, dass ein Ausschuss klein gehalten werden sollte, um nötigenfalls schnell reagieren zu können. In der Abstimmung zum Antrag Wüst wurde die Zweidrittelmehrheit der anwesenden Mitglieder nicht erreicht. Mit deutlichem Mehr unterstützte die Versammlung jedoch das Begehren von P. Frei und beauftragte den Vorstand, die Statuten nochmals gründlich zu überarbeiten. Der Vizepräsident A. Scheidegger würdigte den abtretenden Präsidenten Chr. Schellenberg und dankte ihm für seine grosse Arbeit. Mit grossem Mehr wird Dr. Peter Perret, Pfäffikon, als neuer Präsident der PPS gewählt. Zum Leiter der Aufsicht wird Reto Zanelli, Pfäffikon, gewählt. Die bisherigen Privatmitglieder im Vorstand werden mit grosser Mehrheit bestätigt. Herr Senn will sich mit dem Bericht über die Untersuchung der Muscheln nicht zufrieden geben. Dr. P. Pleisch beruhigt ihn jedoch damit, dass im laufenden Jahr eine weitere, wissenschaftlich besser fundierte Untersuchung vorgesehen sei. Zum Abschluss der Mitgliederversammlung informiert A. Schmucki, Jagdaufseher und Obmann der Jagdgesellschaft Wetzikon, über «Wild und Jagd im Schutzgebiet Pfäffikersee». Pfäffikon, den 22. Juni 1998 Für das Protokoll: R. Mettler
Teich- und Flussmuscheln im Pfäffikersee
Mit diesem Artikel werden stille, unauffällige Seebewohner vorgestellt - die Teich-und Flussmuscheln, auch Najaden genannt. Man wird erst auf sie aufmerksam, wenn die weisse oder perlmutterglänzende Innenseite einer leeren Schale vom Grund heraufleuchtet. Die lebenden Tiere stecken gut getarnt im Seegrund. Im schweizerischen Einzugsgebiet des Rheins leben insgesamt vier verschiedene systematische Gruppen von Muscheln (Tab. 1, siehe S.15), im Pfäffikersee deren drei. Eine von ihnen sind die Najaden. Sie umfassen unsere grössten Muscheln; so wurden schon Teichmuscheln von über 20 cm Länge gefunden. Im Jahr 1997 wurde der Bestand der Najaden im Pfäffikersee untersucht (GUGGISBERG & BURKARDT 1997). Der Anlass der Untersuchung war die Befürchtung von See-Kennern, dass die Muschelbestände im See abgenommen hätten. Die Untersuchung zeigte, dass noch Muscheln vorhanden waren, doch konnte aufgrund dieser einen Untersuchung keine Aussage über Bestandes- änderungen gemacht werden. 1998 wurde eine weitere Untersuchung begonnen, die reproduzierbare, quantitative Ergebnisse liefern soll, welche Vergleiche mit späteren Bestandesaufnahmen möglich machen. Die Arbeit wird im Sommer 1999 abgeschlossen sein. Die laufende Untersuchung im Pfäffikersee ergab bisher drei Najadenarten, von denen aber bisher nur noch eine lebend angetroffen wurde: Grosse Teichmuschel, Anodonta cygnea (L. 1758), (Abb. 1). Diese Art ist vorwiegend in tiefen Lagen im ganzen Mittelland zu finden und lebt auch im Pfäffikersee. Sie bewohnt die Weichsedimente (Schlamm, Silt, Feinsand) stehender und langsamfliessender Gewässer. In der Schweiz gilt sie als «noch nicht gefährdet» (TURNER et al. 1998).
Abh. 1: Linke Schalenklappe einer Teichmuschel Anodonta cygnea aus dem Pfäffikersee. Die Muschel wurde etwa sechs Jahre alt. Gewöhnliche Teichmuschel Anodonta anatina (L. 1758). Diese Art ist bezüglich Verbreitung und Lebensraum der vorhergehenden ähnlich, erträgt aber die Eutrophierung schlechter (TURNER et al. 1998) und soll deshalb etwas seltener sein als die Grosse Teichmuschel. Die Gewöhnliche Teichmuschel scheint aus dem Pfäffikersee verschwunden zu sein, denn es wurden nur noch alte leere Schalen gefunden. Bachmuschel Unio crassus. PHILIPSSON 1788. Eine einzige leere Schale einer Bachmuschel wurde gefunden (Abb. 2), ein Beweis dafür, dass sie einst im Pfäffikersee vorkam. Es ist aber unwahrscheinlich, dass die Art im See überlebt hat, denn sie bewohnt nur sehr saubere Gewässer; dafür ist der Pfäffikersee zu stark eutrophiert. Die einst häufige Bachmuschel ist heute in der Schweiz vom Aussterben bedroht (Rote Liste 1, TURNER et al. 1998). Abb. 2: Leere Schalen einer Bachmuschel Unio crassus aus dem Pfäffikersee. Die Muschel wurde mehr als 10 Jahre alt. Die leere Schale lag dann wohl während Jahrzehnten am Seegrund. Abb. 3: Innenansicht der linken Schale einer Bachmuschel. M-A: Ansatzstellen der Schliessmuskeln.
Bau einer Muschel
Najaden haben - wie alle Muscheln - zwei Schalenklappen. Auf ihrer Oberseite sind sie mit dem elastischen Schlossband (Ligament) verbunden; Flussmuscheln haben zudem Schlosszähne, welche scharnierartig ineinander greifen. Auf dem Wirbel, welcher sich als leichte Erhebung auf der Oberseite jeder Schale zeigt, können die Jugendschalen erkannt werden. Der Wirbel befindet sich näher beim Vorderende der Muschel. Die beiden Schalenklappen können mit Schliessmuskeln fest verschlossen werden. Ihre Ansatzstellen sind an der Schaleninnenseite sichtbar (Abb. 3). Die Schalen umschlies- sen und schützen den Muschel-Weichkörper, welcher von einer Haut (Mantel) umschlossen ist. Der Mantel baut die Schale auf. Die Schale besteht aus drei Schichten (von aussen nach innen): Hornartige Schalenhaut, Prismenschicht (Kalk), Perlmutterschicht (Kalk). Letztere wird zeitlebens auf der ganzen Innenfläche der Schale ausgeschieden, so dass die Schale von Jahr zu Jahr dicker wird. Auch können beschädigte Schalen von innen her repariert werden. Im Winter wird das Wachstum eingestellt, was sich als Jahrring auf der Schalenhaut abzeichnet (Abb. 1), analog zu den Jahrringen der Bäume. Das Wachstum ist in den ersten Jahren am stärksten, später wird der Zuwachs geringer, so dass die einzelnen Jahrringe immer enger aufeinanderfolgen. ...
Gesamter Jahresbericht als PDF-File 590 kB
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